Finanzen

Berufshaftpflichtversicherung – wer braucht sie?

25/11/2016 - By admin

Die Berufshaftpflichtversicherung tritt in Fällen ein, wo die Betriebshaftpflicht versagt, bzw. wenn ein Schadensfall außerhalb der Zuständigkeit der Betriebshaftpflicht liegt. Dies sind Schäden, die vielleicht ohne  tatsächlichen Sachschaden entstehen, und für die der Dienstleister ebenfalls aufkommen muss. Die Berufshaftpflichtversicherung ist dafür gedacht, den Kunden vor finanziellen Ansprüchen im Falle eines Schadens, der im Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit entstanden ist, zu schützen. Die Berufshaftpflichtversicherung ist oft Teil der privaten Haftpflichtversicherung, jedoch nicht unbedingt. Die Haftpflicht greift dann in jedem Fall zuerst. Eine Betriebshaftpflicht prüft zuerst, ob ein Anspruch zu Recht besteht, ersetzt also in diesem speziellen Fall fast die Rechtsschutzversicherung, denn erst wenn ein Anspruch zu Recht besteht, wird die Versicherung auch zahlen, und zwar im Rahmen der vorher vertraglich festgelegten Versicherungssumme. Da beide Versicherungen, die Berufshaftpflicht und die Betriebshaftpflicht sehr ähnlich klingen, werden die beiden schon einmal verwechselt, und ein Arbeitnehmer oder ein Selbständiger glauben sich ausreichend abgesichert. Eine Berufshaftpflicht versichert die Person, die Betriebshaftpflicht versichert das Unternehmen gegen eventuelle Ansprüche. Im Berufsalltag können zahlreiche Gefahren auftreten, bei denen man anderen einen Schaden zufügen kann – durch eine simple Fehlentscheidung.

Freiberufler oder Selbständige haften für jeglichen finanziellen Schaden, der aus ihrer Tätigkeit entsteht. Nicht für alle ist eine Berufshaftpflicht auch Pflicht, für die meisten Berufe ist freiwillig. Bestimmte Berufsgruppen jedoch sind gesetzlich verpflichtet, eine Versicherung abzuschließen, z.B. Ärzte oder Rechtsanwälte. Die Gefahrenquellen bei Ärzten sind ziemlich offensichtlich, und sollten keiner weiteren Erläuterung bedürfen, doch andere Berufe wie der Rechtsanwalt oder der Architekt sind ebenfalls persönlich haftbar.

Die Berufshaftpflichtversicherung schützt auch die Selbständigen

Beispiel: Ein Rechtsanwalt berät einen Klienten. Leider hat er bei der Einschätzung des Falles daneben gelegen, dem Klienten jedoch klar suggeriert, dass er einen Fall gewinnen wird, und der Klient schuldfrei ausgehen wird. Dem Klienten entsteht daraus ein Vermögensschaden, keiner der Beteiligten erleidet einen Sachschaden oder körperlichen Schaden. Diese Art Schaden ist relativ einfach zu ermessen, der Schaden liegt vor, Schmerzensgeldklagen, Krankenhauskosten, Pflegekosten, bei Sachschaden liegen die Fakten vor, das Motorrad muss in die Werkstatt, ein Gebäude fällt ein aufgrund schlampiger Ausführung. Fällt jedoch das gleiche Gebäude ein, weil der Architekt sich verrechnet hat, und nicht weil der Bauunternehmer am falschen Ende gespart oder bei der Ausführung der Arbeiten einen Fehler gemacht hat, dann ist der Architekt haftbar für den Schaden. Berufsgruppen, die besonders gefährdet sind, einen Schaden durch fehlerhafte Beratung zu verursachen, sind z.B. Anwälte, Rechtsberater, Notare sowie jegliche verwandten Berufe, die in diese Berufsgruppe fallen. Auch Ärzte sind extrem gefährdet.

Ein privates Versicherungsunternehmen hat bei der Berufshaftpflicht gesetzliche Vorgaben hinsichtlich der Deckungssumme. Die Mindestversicherungssume beträgt 250.000 Euro, diese Summe kann aber schnell einmal überschritten werden, daher sollte man lieber eine höhere Police abschließen, damit man es im Ernstfall nicht bereut. Die Versicherer müssen in jedem Fall auszahlen, auch wenn sich um Verletzung der Sorgfaltspflicht oder Pflichtverletzung handelt. Hiervon auszuschließen wäre eine wissentliche Pflichtverletzung, in diesem Fall haftet der Versicherer nicht.

Die Versicherer unterscheiden zwischen den einzelnen Berufsgruppen mit unterschiedlichem Risikograd. Je nach Beruf sind die möglichen Schadensfälle unterschiedlich zu beziffern. Daher bieten Versicherer auch Policen an, welche ganz spezifisch für den jeweiligen Beruf zugeschnitten sind, und dort natürlich auch Policen in unterschiedlicher Höhe. Wenn es sich um die Fehleinschätzung des Architekten handelt, dann wird eine Versicherungssumme von 250.000 Euro ganz sicher nicht ausreichen, um den Schaden abzudecken, hier geht der Schaden in die Millionenhöhe. Wie bei allen anderen Versicherungen sollte der Kunde auch hier gründliche Nachforschungen anstellen. Die Policen der einzelnen Anbieter können sehr stark variieren sowohl in der Prämie wie auch der Deckungssumme. Es gibt Webseiten, die verschiedene Anbieter vergleichen, dies wäre schon mal ein Anfang bei der Recherche. Jedoch gibt es viele Versicherer, die ihre Daten für diese Vergleichsseiten nicht zur Verfügung stellen. Hier muss man dann schon selbst anrufen oder die Webseite konsultieren. Ist man selber nicht sicher, welche Versicherungssumme angebracht ist, dann kann man andere Freiberufler kontaktieren oder sich mit der Innung in Verbindung setzen, falls man einer angehört.

Was unter allen Umständen vermieden werden sollte, ist eine Unterversicherung. Bleibt man bei der Mindestversicherungssumme, um an der Prämie zu sparen, dann kann diese im Einzelfall schnell ausgereizt sein. Die persönliche Haftung hört dort jedoch dann nicht auf, und kann zu finanziellem und persönlichem Ruin führen. Abgesehen davon, dass man vielleicht für den Rest seines Lebens mit einer moralischen Schuld leben muss.

Zum Thema Berufshaftpflichtversicherung hier ein informatives Video. Keine Gewähr für Inhalt, Werbung etc.

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